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Kroatien: Neuinterpretation von Kriegsschuld
Alle Staaten des ehemaligen Jugoslawiens negieren zumeist die Verbrechen, die von der eigenen Seite begangen worden sind. Opfer ist man immer nur selber und Täter waren immer die Anderen. Aus einer solchen Opferhaltung entstehen Paradigmen und Schuldzuweisungen, die für eine Versöhnung in der Region Mauern errichten. Der selektive Umgang mit der Vergangenheit ist eine der großen Hypotheken für eine friedliche Zukunft.
Ursula Renner trägt mit ihrem Projekt in Kroatien zu einer offenen Aufarbeitung der Kriegsgeschehnisse bei und stärkt die kritischen Stimmen innerhalb der Gesellschaft. Ihr Alltag ist vor allem von der Arbeit mit kroatischen Kriegsveteranen geprägt. Kriegsveteranen sind direkte Augenzeugen dessen, was Krieg anrichtet und sind daher besonders glaubwürdige Akteure. „Es ist eben ein Unterschied, ob Pazifisten die Rolle Kroatiens im Krieg anprangern oder ob es diejenigen tun, die selber aktiv in Kampfgeschehnisse verwickelt waren“, sagt Frau Renner, die bereits zuvor ein Projekt des forumZFD mit Kriegsveteranen in Serbien geleitet hat.
In Kroatien arbeitet sie eng mit einem Veteranenverband, der sich kritisch gegenüber Kroatiens Rolle im Krieg zeigt, zusammen. Ein Angehöriger des „Kroatischen Vereins der ehemaligen Kämpfer des Heimatkrieges“ mit Sitz in Sibenik hat in Den Haag im Prozess gegen den kroatischen General Ante Gotovina ausgesagt. Der kleine Verein wird von Ursula Renner in seiner Entwicklung und Professionalisierung unterstützt. Projektmanagement, Öffentlichkeitsarbeit¸Organisationsentwicklung und Durchführung von Dialogseminaren zwischen Zivilisten und Ex-Soldaten sind einige der Themen, an denen Ursula Renner arbeitet. Darüber hinaus bildet sie die Veteranen zu Trainern aus, so dass diese in die Lage versetzt werden selbst diese Themenfelder in ihrem Kontext zu bearbeiten.
Ausgehend von Kontakten aus ihrem vorigen Projekt in Serbien hat Ursula Renner Begegnungen zwischen kroatischen und serbischen Veteranen ermöglicht. Auf diese Weise wurden erste Schritte zu einer gemeinsamen Aufarbeitung des Krieges möglich. Daran will sie weiterarbeiten, zusammen mit lokalen Friedens- und Veteranenorganisationen aus der Region. Mit ihnen hat sie einen umfangreichen, auf drei Jahre angelegten Projektvorschlag ausgearbeitet zur Intensivierung der Friedensarbeit mit Kriegsveteranen aus Kroatien, Serbien und Bosnien. In Vorbereitung der Umsetzung veranstaltet sie derzeit mit einer der größten Veteranenorganisationen in Kroatien Seminare zu Projektplanung, Kommunikationstraining, Teamarbeit und Friedenserziehung.





